Vielleicht kennen Sie das: Unter Ihren Beiträgen stehen immer dieselben zwanzig Namen. Man kennt sich, man applaudiert sich gegenseitig, manchmal so schnell, dass man sich fragt, ob da überhaupt jemand gelesen hat. Es fühlt sich an wie Sichtbarkeit. Aber die Menschen, die Sie eigentlich erreichen wollen, kommen darin nicht vor.
Stellen Sie sich den Inhaber eines kleinen Familienweinguts vor. Auf LinkedIn und Instagram ist er fleißig, gelobt wird er vor allem von anderen Winzern. Neue Kundinnen und Kunden erreicht er kaum. Unser erstes Gespräch beginnt mit der Frage: „Darf ich Sie zu Beginn ein wenig kennenlernen?“ Er erzählt, wie ein Hagelsturm ihm vor einigen Jahren die halbe Ernte genommen hat. Und wie er daraufhin mit zwei Nachbarbetrieben die geretteten Trauben zu einem gemeinsamen Wein zusammengelegt hat, statt aufzugeben.
Im Gedankenraum wird klar: Das ist keine Anekdote für die eigene Timeline. Das ist eine Geschichte über Zusammenhalt, die Menschen weit außerhalb der Weinbranche berührt. Im Medienraum bereiten wir sie so auf, wie Redaktionen arbeiten: mit einem klaren Anlass, echten Bildern und einem Menschen, der selbst erzählt. Daraus entstehen ein Bericht in der Regionalzeitung, ein Beitrag im Radio und ein Gastartikel in einem Fachmagazin. Parallel schreibt er die Geschichte selbst für seine Website und erzählt sie im Studio-Talk in eigenen Worten.
Im Resonanzraum zeigt sich der Unterschied zur Blase: Bestellungen von Menschen, die ihn vorher nie gefunden hätten. Ein Restaurant, das den Wein auf die Karte nimmt. Und ein Pressebericht, der bei Google und in KI-Antworten auftaucht, wenn jemand nach Weingütern in der Region sucht.
Nicht der hundertste Beitrag in der eigenen Blase hat ihn sichtbar gemacht, sondern eine echte Geschichte, die unabhängige Redaktionen für erzählenswert hielten.
Probieren Sie es aus: Fragen Sie sich, welche Geschichte aus Ihrer eigenen Erfahrung ein Mensch außerhalb Ihrer Branche weitererzählen würde. Schreiben Sie sie in fünf Sätzen auf, so, als würden Sie sie einer Journalistin am Telefon erzählen. Das ist der Anfang Ihres Weges aus der Bubble.