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KI-SUCHE

Sichtbar in ChatGPT: Was GEO für Ihr Unternehmen bedeutet

Von Dirk Rabis, Medienstratege · Veröffentlicht am 27.09.2026 · Themen: KI-Suche, GEO, Sichtbarkeit
Titelbild zum Beitrag: Was GEO und KI-Suche für die Sichtbarkeit von Unternehmen bedeuten.

Wenn Ihre Kunden nicht mehr suchen, sondern fragen

Vielleicht haben Sie es selbst schon ausprobiert. Sie öffnen ChatGPT und fragen, welcher Anbieter in Ihrer Region für Ihr Fachgebiet empfehlenswert ist. Die Antwort kommt schnell, klingt überzeugend und nennt drei, vier Namen. Ihrer ist nicht dabei.
Das ist kein Einzelfall, sondern ein neuer Alltag. Laut einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom nutzt inzwischen die Hälfte der Internetnutzerinnen und Internetnutzer in Deutschland zumindest gelegentlich KI-Chats statt klassischer Suchmaschinen. Bei den 16- bis 29-Jährigen sind es zwei Drittel. Seit Oktober 2025 bietet auch Google in Deutschland einen eigenen KI-Modus an, in dem man sich mit der Suchmaschine unterhält, statt Links zu durchsuchen.
Für Unternehmen stellt sich damit eine neue Frage: Nicht nur, ob Sie gefunden werden, sondern ob Sie genannt werden. Genau darum geht es bei GEO.

Was hinter dem Begriff GEO steckt

GEO steht für Generative Engine Optimization, also die Optimierung für generative Suchsysteme wie ChatGPT, Perplexity, Gemini oder die KI-Übersichten bei Google. Der Begriff stammt aus der Forschung: Wissenschaftler der Princeton University und des Indian Institute of Technology Delhi haben ihn 2023 geprägt und ihre Studie 2024 auf der internationalen Informatik-Konferenz KDD vorgestellt.
Spannend an dieser Studie ist weniger die Technik als das Ergebnis. Die Forscher haben untersucht, welche Veränderungen an einem Text dazu führen, dass KI-Systeme ihn in ihren Antworten stärker aufgreifen. Am besten schnitten Texte ab, die nachvollziehbare Zitate, konkrete Zahlen und Quellenangaben enthielten, mit einer um bis zu 40 Prozent höheren Sichtbarkeit. Das Anhäufen von Suchbegriffen, jahrelang ein Reflex im klassischen SEO, brachte dagegen kaum etwas.
Übersetzt heißt das: KI-Systeme bevorzugen Inhalte, die etwas zu sagen haben und das belegen können. Das ist weniger eine technische als eine journalistische Disziplin.

Ist SEO noch wichtig?

Diese Frage höre ich in fast jedem Erstgespräch. Die ehrliche Antwort: Ja, mehr denn je. Nur anders, als viele denken.
Google stellt in seinen Hinweisen für Website-Betreiber klar, dass es für die KI-Übersichten und den KI-Modus keine zusätzlichen Anforderungen und keine besonderen Optimierungen gibt. Eine Seite muss technisch auffindbar sein und hilfreiche, verlässliche Inhalte für Menschen bieten. Spezielle KI-Dateien oder neue Auszeichnungen sind laut Google nicht nötig. Auch OpenAI nennt für die Suche in ChatGPT keine geheimen Ranking-Faktoren, sondern vor allem eine technische Voraussetzung: Der Suchcrawler des Unternehmens darf auf Ihrer Website nicht blockiert sein.
GEO ersetzt SEO also nicht, es baut darauf auf. Wer bei Google nicht sauber auffindbar ist, taucht auch in KI-Antworten selten auf. Wer aber nur auf Technik und Suchbegriffe setzt, liefert einer KI nichts, das sich zu zitieren lohnt.
Seien Sie deshalb vorsichtig bei Angeboten, die Ihnen eine feste Platzierung in ChatGPT versprechen. Niemand außerhalb der Anbieter kann garantieren, welche Namen eine KI nennt.

Von Klicks zu Nennungen: Was sich wirklich verändert

Das Pew Research Center hat 2025 das Suchverhalten von 900 Erwachsenen in den USA ausgewertet. Erschien bei Google eine KI-Zusammenfassung, klickten die Nutzer nur bei 8 Prozent der Suchen auf ein Ergebnis. Ohne Zusammenfassung waren es 15 Prozent. Auf die Quellen innerhalb der Zusammenfassung klickte nur 1 Prozent.
Das heißt: Viele Menschen lesen die Antwort und gehen weiter. Wer in der Antwort vorkommt, hinterlässt einen Eindruck, auch ohne Klick. Wer nicht vorkommt, findet in diesem Moment schlicht nicht statt.
Die Bitkom-Umfrage zeigt zugleich die andere Seite: 42 Prozent der KI-Nutzer haben bereits falsche oder erfundene Informationen erhalten, 57 Prozent prüfen die Antworten, bevor sie sie verwenden. Genau in diesem Moment landen Menschen auf Ihrer Website. Sie wollen bestätigt sehen, was die KI über Sie gesagt hat. Dort entscheidet sich, ob aus einer Nennung Vertrauen wird.

Bekannt im Ort, unbekannt für die KI

Vielleicht kennen Sie dieses Gefühl: Sie sind in Ihrer Region seit Jahren bekannt, Ihre Kunden empfehlen Sie weiter. Und trotzdem nennt eine KI andere Namen, wenn jemand nach Ihrem Fachgebiet fragt.
Stellen Sie sich eine Hörakustikmeisterin aus dem Taunus vor. Ihre Tochter hat ChatGPT gefragt, wo man sich in der Gegend gut zu Hörgeräten beraten lassen kann. Genannt wurden zwei große Ketten und ein Online-Anbieter. Ihr eigenes Fachgeschäft, seit fünfzehn Jahren am Marktplatz, kam nicht vor.
Ihre Website ist nicht schlecht. Sie ist nur austauschbar: Kompetenz, Qualität, persönlicher Service. Sätze, die auf jeder zweiten Seite der Branche stehen und die eine KI deshalb keinem Menschen zuordnen kann.
Im Gespräch würde ich mit der Frage beginnen, mit der ich jedes Erstgespräch eröffne: „Darf ich Sie zu Beginn ein wenig kennenlernen?“ Und dann kommt die eigentliche Geschichte zum Vorschein. Dass sie Hörakustikerin geworden ist, weil ihr Vater sich nach dem Verlust seines Gehörs immer mehr aus Gesprächen zurückgezogen hat. Dass sie deshalb ältere Kundinnen und Kunden auch zu Hause besucht. Dass die häufigste Frage in ihrem Geschäft nicht der Technik gilt, sondern lautet: Sieht man mir das Hörgerät an?
Genau diese Antworten fehlen im Netz. Im Gedankenraum wird daraus eine klare Botschaft. Im Medienraum schreibt sie in ihren eigenen Worten Beiträge zu den Fragen, die ihr wirklich gestellt werden, und nimmt im Studio-Talk ein kurzes Video auf, in dem sie erklärt, was beim ersten Hörtest passiert. Im Resonanzraum zeigt sich, was davon ankommt: bei Menschen, in der Lokalzeitung und mit der Zeit auch bei Suchmaschinen und KI-Systemen, die jetzt eine eigene Stimme vorfinden statt einer Floskel.
Probieren Sie es aus: Stellen Sie ChatGPT oder dem KI-Modus bei Google drei Fragen, die Ihre Kunden Ihnen wirklich stellen. Notieren Sie, wer genannt wird und mit welcher Begründung. Dann nehmen Sie sich eine dieser Fragen vor und beantworten Sie sie auf Ihrer Website so, wie Sie es im Gespräch tun würden: mit einem Erlebnis aus Ihrem Alltag, einer konkreten Zahl und Ihrem eigenen Standpunkt. Wenn Ihnen das Schreiben schwerfällt, sprechen Sie Ihre Antwort zuerst zwei Minuten lang ins Smartphone. Das ist der Anfang.

Fünf Hebel, die Sie selbst in der Hand haben

1. Beantworten Sie echte Fragen. Sammeln Sie, was Kunden Sie am Telefon, per Mail oder im Erstgespräch fragen. Jede dieser Fragen verdient eine eigene, ehrliche Antwort auf Ihrer Website.
2. Belegen Sie, was Sie sagen. Zahlen aus Ihrer Praxis, nachvollziehbare Quellen, Stimmen von Menschen, mit denen Sie gearbeitet haben. Genau diese Elemente haben in der GEO-Studie die Sichtbarkeit am stärksten erhöht.
3. Erzählen Sie überall dieselbe Geschichte. Website, LinkedIn-Profil, Branchenverzeichnisse, Pressetexte: Wenn Name, Leistungen und Schwerpunkt überall übereinstimmen, kann eine KI Sie eindeutig einordnen.
4. Finden Sie auch außerhalb Ihrer Website statt. KI-Systeme stützen sich auf viele Quellen. Ein Interview in der Regionalzeitung, ein Gastbeitrag im Fachmagazin, ein Podcast-Gespräch: Jede glaubwürdige Erwähnung durch Dritte stärkt Ihr Profil.
5. Schreiben Sie selbst. Texte, die eine KI in Sekunden erzeugt hat, liefern einer anderen KI nichts Neues. Was nur Sie erlebt haben, kann nur von Ihnen kommen. Das ist Ihr größter Vorsprung.
Und technisch: Sorgen Sie dafür, dass Ihre Website für Suchmaschinen erreichbar ist und die Crawler von Google und OpenAI nicht versehentlich ausgesperrt werden. Das kann Ihr Webdienstleister in wenigen Minuten prüfen.

Welche Antwort soll eine KI über Sie geben?

Eine KI erfindet Ihre Positionierung nicht. Sie setzt zusammen, was sie über Sie findet. Wenn Ihr Unternehmen künftig genannt werden soll, beginnt die Arbeit deshalb nicht bei der KI, sondern bei Ihnen: mit einer klaren Haltung, eigenen Antworten und dem Mut, sie in Ihrer Sprache zu veröffentlichen. Wer eigene Antworten gibt, wird zur Quelle.
QUELLEN
Bitkom e. V.: Internet-Suche im Wandel: Die Hälfte nutzt bereits KI-Chats. Presseinformation vom 20.11.2025, repräsentative Befragung von 1.030 Internetnutzern ab 16 Jahren.
Pew Research Center: Google users are less likely to click on links when an AI summary appears in the results. 22.07.2025.
Aggarwal, P.; Murahari, V.; Rajpurohit, T.; Kalyan, A.; Narasimhan, K.; Deshpande, A.: GEO: Generative Engine Optimization. Proceedings of the 30th ACM SIGKDD Conference on Knowledge Discovery and Data Mining, 2024.
Google Search Central: AI features and your website. Abgerufen am 27.09.2026.
OpenAI Help Center: Publishers and Developers FAQ. Abgerufen am 27.09.2026.
connect: Google startet KI-Suche „AI Mode“ in Deutschland. 08.10.2025.

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Wer eigene Antworten gibt, wird zur Quelle.

ÜBER DEN AUTOR
Dirk Rabis ist seit jeher vollschichtiger Kommunikationsprofi: Bereits Ende der 80er-Jahre gründete er das RPM-Bildungs- und Medienzentrum für Multimedia-Kommunikation, PR, Marketing-, Marken- und Medienentwicklung, wo er als CEO für Entwicklung und Schulung im Bereich der multimedialen, audiovisuellen Medien verantwortlich zeichnete.
Als versierter Content-Stratege und DERKA zertifizierter Online Marketing Manager bespielt er seither unterschiedlichste Kanäle. Hier berät und positioniert er teils sehr prominente Personen und Unternehmen aus Sport, Film, Musik, Politik, Handel, Wirtschaft und Industrie bei der Neuausrichtung ihrer Unternehmensstrategie und Kommunikation.
2004 erhielt er seine Akkreditierung zum internationalen Film-, Musik- und Medienproduzenten, der zwei internationale Award-Auszeichnungen folgten.
Mittlerweile steht er als TV-Redakteur und Talkshow-Moderator auch selbst vor der Kamera.
Seit 2020 schreibt und publiziert Dirk Rabis zudem für den Wissenschaftsverlag Springer Gabler, unter anderem im Fachbuch „Strategien für Dienstleister".
Dirk Rabis, Medienstratege und PR-Berater bei entertain MARKET.

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